von Mathias Gubo- Wiesbadener Kurier
Sie heißen Hübschgrund und Hambachtal und wären ohne den Einsatz von Schafen schon längst zugewuchert. Schäfer Mathias Albus engagiert sich gemeinsam mit dem Landschaftspflegeverband für die Erhaltung der Kulturlandschaft in Taunusstein.

In der größten Stadt im Landkreis arbeitet die Schäferfamilie seit nunmehr sieben Jahren mit dem Landschaftspflegeverband Rheingau-Taunus (LPV) zusammen. Dieser hat in Taunusstein für die Pflege landschaftlich reizvoller und aus Sicht des Naturschutzes bedeutender Flächen wie etwa Wiesentäler, Feuchtwiesen und Heideflächen Fördermittel aus dem Hessischen Landschaftspflegeprogramm (HELP) organisiert. Auf mehr als 20 Hektar verzichtet Mathias Albus, der die Schäfertradition bereits in der fünften Generation fortführt, dafür auf das Ausbringen von Dünger und Pestiziden. Beweidet wird ausschließlich in der Vegetationsperiode zwischen Mitte April bis Oktober. Ziel ist die Steigerung der Artenvielfalt und die Bewahrung der Landschaft. Für den Schäfer hat sich die Teilnahme am HELP zu einem zusätzlichen wirtschaftlichen Standbein entwickelt.

Dies sei jedoch kein Almosen, das man dem Schäfer zahle, so Sonja Kraft vom LPV ausdrücklich. Albus erbringe für das Geld "eine richtige Leistung", bewahre ökologisch wertvolle Flächen davor, zuzuwuchern, leiste damit auch einen wertvollen Beitrag für die Naherholung. Die Erhaltung der typischen Taunuslandschaft sei ein wichtiger gesellschaftlicher Beitrag, sonst wäre die Pflanzenvielfalt bedroht. "Einen Palmengarten können wir uns einmal nicht leisten", so Kraft.Der Schäfer Mathias Albus arbeitet seit 7 Jahren mit dem LPV zusammen.

650 Mutterschafe in zwei Herden hat Albus, der mit seinen Schafen jetzt den ganzen Sommer lang von Weide zu Weide zieht. Von Bleidenstadt geht es weiter nach Niederlibbach und Strinz-Trinitatis, dort werden seine Schafe in einem sieben Hektar großen Naturschutzgebiet weiden. Bis zum Herbst geht es dann nach Engenhahn, wo ihm 50 Hektar zur Verfügung stehen. Die Einkünfte aus dem Landschaftsschutz seien wichtig geworden, sagt Albus mit Blick auf seine frisch geschorenen Schafe. Für ein Kilogramm Wolle bekommt er gerade noch 50 Cent. Rund drei Kilo Wolle hat ein Schaf, das Scheren kostet je Tier jedoch schon zwei Euro.

Neben Schäfer Albus beteiligen sich in Taunusstein noch ein gutes Dutzend weiterer Landwirte und Nebenerwerbsbauern über den LPV am Hessischen Landschaftspflegeprogramm. "Insgesamt werden in Taunusstein 56 Hektar besonders naturverträglich bewirtschaftet", rechnet Sonja Kraft vor. "Davon profitiere nicht nur die Natur, sondern es gewinnen auch die Menschen, die in einer strukturreichen vielgestaltigen Landschaft Naherholung finden können." Neben privaten werden auch kommunale Flächen, die nicht für eine konventionelle landwirtschaftliche Nutzung geeignet sind, über Vertragsnehmer des Landschaftspflegeverbandes gepflegt. Der LPV stimmt die Pflege mit Behörden und Bewirtschaftern ab, holt notwendige Genehmigungen ein und koordiniert die gesamte Maßnahme. Die Teilnahme an Pflegemaßnahmen erfolgt ausschließlich auf freiwilliger Basis.

Ein gemeinsames Projekt von Mathias Albus und dem LPV ist das Waldwiesental "In der Hambach", das sich nordwestlich von Bleidenstadt bis in die Gemarkung Seitzenhahn an die Aarstraße erstreckt. Das von einer riesigen Stromleitung überspannte Tal war vor wenigen Jahren noch zu großen Teilen mit Schlehen zugewuchert, und wurde Ende der 90er Jahre vom damaligen Stromversorger gemeinsam mit dem Forst entbuscht.

Auf längere Sicht sei das 3,5 Hektar große Tal nur durch eine Bewirtschaftung offen zu halten, sagt Kraft. Mit Maschinen können die unebenen und zum Teil feuchten Wiesen nicht gemäht werden; ohne Nutzung würde die neu geschaffene vielgestaltige Pflanzengesellschaft mit Schlüsselblumen und verschiedenen Wildgehölzen von der konkurrenzstarken Schlehe wieder überwuchert werden. Daher hat der LPV im Anschluss an die Entbuschungsmaßnahmen für einen aus HELP-Mitteln finanzierten Pflegevertrag mit einem Schafhalter gesorgt.

Seit 2001 kümmert sich nun Schäfer Albus für den LPV um den Talzug. Seitdem ist seine Herde zwei- bis dreimal im Jahr "In der Hambach" zu sehen. Nicht ausreichend verbissene Gehölze werden vom Schäfer nachgemulcht. Die Fördermittel aus dem HELP sind laut Kraft die notwendige Honorierung der erschwerten und damit aufwändigen Bewirtschaftung.

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